"....viel Erfolg bei Ihrer weiteren Suche"

Montag, August 03, 2015

"Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Suche und sind uns sicher, dass Sie schon bald eine Ihrem Profil entsprechende Anstellung finden werden". Wer kennt diesen Satz nicht? Derzeit flattert er fast täglich in mein Postfach.

Neulich las ich einen wirklich super geschriebenen Artikel zum Thema "Arbeitslose Akademiker" im Online-Bereich der TAZ. Vielleicht kennt der/die eine oder andere von euch diesen Artikel ja auch. Die Autorin spricht mir so sehr aus der Seele. Sie hat in ihrem Studienfach mit der Note 1,0 promoviert und schreibt sich in Bezug auf Bewerbungen regelrecht die Finger wund - ohne Erfolg. Ich selbst habe zwar nicht promoviert (und auch keine 1,0), sondern "nur" meinen Bachelor gemacht. Doch auch dieser sollte doch eigentlich (zumindest ein wenig) etwas wert sein. Eigentlich.
Doch wenn man nicht zu jenen Studenten, die ihren Bachelor mit 1,0 und großem Lob abschließen gehört, sondern vielleicht "nur" eine 2,0 oder eine 3,0 im Bachelor-Zeugnis stehen hat, so fällt man am Ende irgendwie durch sämtliche Raster. Gerade dann, wenn man so etwas Generalistisches aus dem Bereich der Geisteswissenschaften - in meinem Falle Sozialwissenschaften (=Wirtschaft, Soziologie & Politik) - studiert hat. Man hat sich viele sowohl fachliche als auch allgemeine Kompetenzen angeeignet, welche einem dann einmal im beruflichen Leben helfen und voran bringen sollen. Und man hat ganze 3 Jahre (Regelstudienzeit), je nachdem auch noch ein halbes oder ganzes Jahr mehr, in dieses Studium investiert - genauso viel Zeit, wie ein Azubi für seine Ausbildung. Doch auch dies wird selten irgendwie wertgeschätzt - zumindest wird einem dies ständig signalisiert.

Gerade als Sozialwissenschaftler mit einem doch recht breitgefächerten, abgeschlossenen Studium findet man (oft) nur schwerlich einen Berufseinstieg. Zumindest ist dies bisher meine Erfahrung.
Was ich besonders frustrierend finde, ist neben den Absagen selbst, die Tatsache, dass man nie wirklich Feedback erhält, wieso genau die Bewerbung gescheitert ist. Lag es an mangelnden Kompetenzen? An der Abschlussnote? War das Bewerbungsanschreiben nicht gut genug? Oder mag der zuständige Personaler einfach meine Nase oder Haarfarbe nicht? Als Bewerber fühlt man sich hier oft allein gelassen, denn man möchte es doch nach einer Absage bei der nächsten Bewerbung besser machen. Aber nicht nur das mangelnde Feedback frustriert. In der für Arbeitssuchende zuständigen, namentlich bekannten Agentur scheint nicht wirklich Platz bzw. Hilfe für arbeitssuchende Akademiker vorhanden zu sein. Die zuständige Vermittlungsperson schaut sich den bisherigen Lebenslauf an. Was die Mithilfe bei der Suche nach geeigneten Jobs angeht, so wird dort lediglich auf die Jobs gezielt, welche man bereits als Aushilfs- bzw. Übergangsjobs vor, während und direkt nach dem Studium erfüllt hat. Dass man sowas jedoch nicht bis zur Rente beruflich machen will und erst recht nicht mit dem abgeschlossenen Studium, stößt dort großteils auf taube Ohren. "In diesen Bereichen haben Sie halt bereits schon Berufserfahrung, ansonsten haben Sie ja nur Ihr theoretisches Studium, in diesen Bereichen haben Sie ja noch keine Berufserfahrung". Danke fürs Gespräch. Geht ja auch schlecht, wenn einem niemand die Möglichkeit gibt, im Rahmen eines Jobs den Einstieg zu finden und damit einen für Absolventen großen Schritt nach vorne zu machen.

Und am Ende, nach all meinen geschriebenen Bewerbungen, welche in Absagen enden, geht es mir wie der Autorin des TAZ-Artikels: so langsam "weiß ich nicht mehr, wer oder was ich eigentlich bin oder sein will" (Quelle: TAZ Artikel vom 09.02.2015).

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3 Kommentare

  1. ich hab 3 Jahre lange gesucht und über 100 Bewerbungsgespräche gehabt. Seit Juni bin ich total glücklich mit meiner Stelle als Redaktionsvolontärin. Toller Verdienst, sofortige Übernahme, aber auch lange Arbeitszeiten, aber das macht mir nicht so viel aus, denn ich hab mein Traumjob gefunden.
    Von daher kann ich dich da nur trösten... Du musst weitermachen... Jeder kriegt seinen Erfolg, manche früher manche später
    Viel Glück!
    Alles Liebe
    Christina
    http://christysworld88.blogspot.de

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    1. Klar mache ich weiter ! :)
      Aufgeben oder den Kopf in den Sand stecken ist sowieso keine Option ;-)

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  2. Ich muss gestehen, dass ich genau davor auch etwas Angst habe. Ich stecke zwar gerade noch mitten im Studium (wollte gerne noch meinen Master anschließen), aber man mancht sich ja schon mal Gedanken über die Zukunft!
    Ich drücke dir natürlich die Daumen, dass du etwas Passendes findest... manchmal kommt es schneller anders als man vielleicht denkt! :-)
    Vlg Bloody

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